Geschichte der Stabhalterei Fernach

Die Stabhalterei Fernach, die heute in der Oberkircher Fasent aktiv ist, hat ihren Ursprung in einer tatsächlich existierenden politischen Gemeinde, westlich außerhalb der Stadtmauern von Oberkirch gelegen. Der geschichtliche Rückblick befasst sich deshalb zunächst mit der Geschichte der Gemeinde „Fernach“ und dann mit der Geschichte der   „Stabhalterei Fernach“ in der Fasent von Oberkirch.

Gemeinde Fernach

Die Siedlung Fernach, im Westen des Rundlings von Oberkirch gelegen, wurde angeblich schon bei einem Gebietsstreit im Jahre 961 urkundlich erwähnt. Ob dies einer historischen Tatsache entspricht oder dem Wunsch der „Stabhalterei Fernach“, im Jahre 1961 ihr 1000-jähriges Jubiläum zu feiern, sei dahingestellt.

Historisch belegt ist, daß die Jahrhunderte alte Gemeinde Fernach bis 1806 zu Vorderösterreich gehörte, und da genauer zur Reichslandvogtei Ortenau und zum Gericht Achern. Im Gegensatz zur Stadt Oberkirch selbst kam das Fernach also nie zum bischöflich-straßburgischen Besitz. Deshalb finden sich im Wappen der Stabhalterei Fernach auch die Farben „rot-weiß-rot“ und der österreichische Doppeladler.

Im Jahre 1806 ging das Fernach in den badischen Staat über und zwar in den neu geschaffenen badischen Amtsbezirk Oberkirch. Die Bindungen an die nahe Stadt Oberkirch wurden im Laufe des 19. Jahr-hunderts immer enger, Stadt und Gemeinde Fernach wuchsen auch baulich zusammen. So kam es dazu, daß das Fernach im Jahre 1872 im Rahmen eines Eingliederungsvertrages mit der Stadt Oberkirch seine Selbstständigkeit aufgab.

Wer mehr Historisches wissen will, dem sei bei einem Besuch der  Mediathek folgende Literatur empfohlen, aus der auch zitiert wurde:
- Dr. Hans Pillin, Stadtgeschichte Oberkirch, Band I + II + III
- Wolfgang Ostertag, Die ehemalige vorderösterreichische Gemeinde Fernach am Rande von Oberkirch im 19. Jahrhundert

Stabhalterei Fernach

Die Ursprünge der Fasent im Fernach reichen angeblich bis in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg zurück, sicher überliefert aber sind Fasent-bräuche ab dem 19. Jahrhundert. Was die heutige „Stabhalterei Fernach“ betrifft, so hat die aktuelle Auswertung von archivierten Akten interessante, neue Erkenntnisse gebracht, die an dieser Stelle zum ersten Mal öffentlich werden.

Demnach ist die Gründung der Stabhalterei Fernach entsprechend dem abgebildeten Protokoll exakt zu datieren auf den 20. Januar 1921. Im Protokoll festgehalten ist unter anderem auch unter § 6, daß das Zunftlokal das Gasthaus Pflug ist, was bis zum heutigen Tag Gültigkeit hat.

Protokoll über die Gründung der Stabhalterei Fernach vom 20.1.1921

Desweiteren ist in den alten Akten ein Schriftverkehr mit der Stabhalterei „Loh“ dokumentiert, sowie das Protokoll zu einem „unerlaubten Faschingsumzug“ des Musikvereins Tiergarten am 8. Februar 1921.

Über weitere Aktivitäten liegen keine Unterlagen vor. Erst wieder dokumentiert ist, daß „im Hornung 1949“, wie aus dem ebenfalls abgebildeten Schreiben des Stabhalters Karl Süss hervorgeht, die „Stabhalterei Fernach wieder erstanden ist“. Das genaue Datum war der 21. Februar 1949, die Sitzung fand im Gasthof „Ochsen“ statt.

Verkündung "Stabhalterei Fernach ist wieder erstanden" (Februar 1949)


 Im gleichen Jahr nahm das Fernach am Fasentumzug mit dem Motto teil „Ohne Fernach – kein Oberkirch“. Ausserdem wurde die Staatsitzung im Loh besucht  und im Gasthaus Ochsen ein Bürgerball abgehalten.

Im Jahr 1950 wurde ein Staatsvertrag mit der Stabhalterei Leimen geschlossen, der heute noch Gültigkeit hat. Im Gasthof Ochsen wurde eine Staatssitzung abgehalten, zu der u.a. die Stabhalterei Oberdorf und die Stabhalterei Wallachei (so geschrieben) eingeladen wurden. Dazu wurden auch die ersten Orden über das  Schmuckgeschäft Maria Schüller in Oberkirch gekauft.

Zu dieser Zeit war das Fernach noch ohne eigenen Schlachtruf. Verschiedene Briefe wurden damals vom Stabhalter mit „Hau Ruck“ unterzeichnet. Die Suche nach einem Schlachtruf lief aber und ein Rudolf Vogt versprach dem Schöpfer „5 Flaschen guten einheimischen Weines“. In den Folgejahren taucht dann der Schlachtruf „Hellwach – Fernach“ auf, der heute in umgekehrter Reihenfolge als „Fernach Hellwach“ erschallt.

Am 10. Februar 1952 fand im Gasthaus „Stadt Straßburg“ ein „Abend der Stabhaltereien“ statt. Jede Stabhalterei machte 2 Auftritte und im Liedblatt zur Veranstaltung war zum ersten Mal das Bundeslied der Stabhaltereien abgedruckt. Diese Veranstaltung war also von den Stabhaltereien organisiert und ist damit der historische Vorläufer der heutigen Fasent-Eröffnung.

Im weiteren Verlauf entwickelte sich in Oberkirch die einzigartige Stabhaltereien-Fasent und mit ihr die Stabhalterei Fernach. Der jährliche Staatsakt im „Scharfen Pflug“ und der Besuch der Staatsakte der Stabhaltereien Loh, Klein-Basel, Leimen, Walachei und Obere Höh sind die fasnachtlichen Höhepunkte. Ebenso die regelmäßige Teilnahme am großen Fasent-Umzug.

Der jährliche Auftritt bei der jetzt von der Narrenzunft Oberkirch organisierten Fasenteröffnung brachte Höhen und Tiefen. Mit den legendären Auftritten aus jüngerer Zeit zu den Themen „Ringbus“, „Koehler’s Kamin“, „Sausteg“ oder „Fußgängerzone“ wurde das städtische Leben in Oberkirch glänzend glossiert.